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Eine juristische Unterscheidung teilt die Begriffe Eigentum und Besitz. Besitz ist temporär, also Pacht zum Beispiel. Deshalb lieben Kaufleute Eigentum, das lässt sich handeln. Sie verladen Eigentum auf Schiffe, die sie vom Reeder pachten oder nur per Fracht mieten. Die Reeder sehen zu, wo sie am billigsten Transportarbeiter bekommen, um von der Fracht zu profitieren. Wenn Kaufleute etwas kaufen, dann rechnen anders als wenn sie verkaufen.

Hamburg bietet Grundstücke und ganze Viertel zum Verkauf, mal ist das eine holländische Reederei, die mit Frachtschiffen nicht genug Profite macht und sich nun auf Stadtviertel konzentriert, mal sind es Bauunternehmen, die im Hausbau eine sichere Geldanlage verlangen. Das wird begünstigt durch Gesetze, die Immobilien und damit deren BewohnerInnen als Handelsware deklarieren. MieterInnen können ihre Jahre sparen, wenn sie eine Wohnung als Eigentum kaufen wollen, ist das geschehen, sorgen oft neue Umstände dafür, dieses wieder zu verlieren. Stadtplanung zum Beispiel, Umwidmung eines Siedlungsgebietes zum Gewerbegebiet, oder, wie bei den Esso – Häusern ein Verkauf des gesamten Areals, einschließlich der Clubs und einer Tankstelle. Warum wurde gerade zu Weihnachten geräumt?

Auslösender Moment der Räumungs – Aktion in den Esso – Häusern an der Reeperbahn in Hamburg St.Pauli waren plötzliche Erschütterungen, Auslöser immer noch unbekannt. Ob die Erschütterungen nach der Räumung anhalten, dazu wird geschwiegen, denn 90 MieterInnen wurden „entsorgt“, ihr Eigentum holt der Sperrmüll ab. Ob die Staatsanwaltschaft die Ursache der Erschütterungen ermitteln lässt und weitere Räumungs – Zusammenhänge klären hilft, ist ungewiss.

Dass gerade die Weihnachtszeit für dubiose Räumungen ohne Titel genutzt wird, liegt am Fest der Liebe und der Vergebung. Die Immobilienverwaltungen verlangen die Liebe und Vergebung ihrer MieterInnen. Profite sollen den Erwartungen angepasst sein, und das Geld muss erst von den MieterInnen generiert werden. Das strapaziert die Liebe sehr, wenn dann noch hinzu kommt, dass MieterInnen Sperrmüll ihr Eigentum nennen dürfen, dagegen die Immobilienverwaltungen das alles umklammernde Behältnis desselben, so ist damit die Richtung vorgegeben, wer mehr Rechte beansprucht und den Hammer der Verantwortung schwingt.

Was helfen uns da Richtungskämpfe in den Parteien, Diskussionen und Intrigen um den Bürgermeister – Sessel. 2007 zankte sich SPD Landeschef Mathias Petersen mit Fraktionschef Michael Neumann um vier abweichende Stimmen, die dann zur Wahl des Stadtentwicklungssenators Axel Gedaschko (CDU) führten, vergaßen wegen der Kandidatensuche zum Bürgermeister - Kandidaten darüber dann, was sich am Spielbudenplatz abzeichnete: da waren noch MieterInnen hinter den bald zum Tanz auffordernden Türmen. (Olaf Scholz war 2007 Bundestagsabgeordneter) Was mögen sie wohl träumen wenn sie schlafen, die gewählten Vertreter?

Stapft bei ihnen dann der Alptraum um ihr Bett? Immer wieder Worte wiederholend: „Lampedusa!

Lampedusa! Esso – Häuser! Lampedusa! Esso – Häuser!“ In meinen Mieter – Alpträumen höre ich die Immobilienkaufleute auf meinem Flur herum trampeln. Wenn ich dann im Traum beschließe, nun doch die Polizei anzurufen, denn die Immobilienkaufleute benehmen sich wie Einbrecher auf meinem Flur, dann wache ich erschrocken auf. Bisher haben sie mir nur einmal meine Wohnungstür zugeklebt und mich mit Briefen belästigt, also paranoid bin ICH ganz sicher nicht. MieterInnen müssen eben ganz schön was aushalten können.

W.O.

 

 

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