Kritik und Kunst, psychedelic underground music, Ausstellungen und tägliches Miteinander.
Das progessivste der BBK Jahresausstellung 2019
war die Eröffnungsrede von Thomas J. Piesbergen.
Ich war erstaunt, wie er vor den Frauen mit einem
Rüssel angibt.

Fotocollage zur Eröffnungsrede der BBK
Jahresausstellung 2019
Doch das nur zur Verklärung. Sie wussten schon
besser Bescheid als ich, deshalb gab es kein Buh!
oder Ach!, denn seit einem Jahr bastelte der BBK
an einem Konzept, das mit der Ausbeute der
Digitalisierung zu tun hat. Es hätte ein
gefährliches Ding werden können, dass ein BBK
sich mit der Digitalisierung beschäftigt.
"Me at the zoo wurde 2005 als erstes Video auf der
Internetplattform YouTube hochgeladen. Diese 19
Sekunden kündigen eine neue Ära der
öffentlichen (Selbst-) Dokumentation an. Es ist nun
ein einfacher Schritt, das Ich, die eigene Existenz
oder das persönliche Tun zu einem Weltereignis
zu machen."
... so die BBK Einleitung zur "Bewerbung" von
2018. Thomas J. Piesbergen hat das ganz anders
erfasst und gab seiner Rede den passenden
Titel “Im Zoo der digitalen Stellvertreter”.
Stellvertreter? Wer muss da wieder für
herhalten, stellvertretend für was? Die
Kunstschaffenden. Wie gut, das Thomas J.
Piesbergen an dieser Stelle abschweifen musste,
neben bisschen Namedropping (Mit Walther
Benjamin lässt sich nichts falsch machen, mit
Peter Handke schon gar nicht.) und
philosophischen Anklängen - Friedrich Schiller,
das zeigt gelassene Intellektualität und der BBK
wird das würdigen, nun musste das Schaffen
beschrieben werden.
Kunstschaffende denken pleonastisch. Jurys auch.
Wird ein "Zoo" thematisiert, so ist ein Affentanz
naheliegend. Das war schon
in Aufnahmeprüfungen so und legt das Verhältnis
vom Auftraggebenden zu den Antragstellenden
klar. Es gibt keine "freie Kunst", so mein
Paradigma.
Das Kunsthandwerk hat den Plastikmüll erkannt
und fertigt Kleidchen daraus. Dahinter als Alibi
Verklärung das kryptisierte Bildchen einer Tat.
Der "digitale Fingerabdruck" soll auch den
Absatzmarkt beleben. Das macht die Kunst
unaufgefordert mit.
Eine verschlossene Tür im Raum, geöffnet hätte
sie gestört, denn jeder hätte während der
Eröffnungsrede von Thomas J. Piesbergen daran
geklappert, um zu schauen, das hinter der Tür das
Selbe geschieht wie vor der Tür. Aber das wäre
dann schon internationale Performanz, das darf
der BBK nicht. Die Jury – selbst Kunstschaffende
des BBK - Gabriele Beitelhoff-Zeger, Gabriele
Kruk, Ute Kühn, Kerstin Stephan, Vira Vaysberg,
Mathias Will – freut sich, sie machen die "schönen
Sachen", Malurlaub mit Kurs auf Sylt.
Wäre es anders gelaufen, so wäre Thomas J.
Piesbergen bezichtigt worden, vom Thema
abzuschweifen, denn was im BBK wachsen darf, ist
nicht das, was in der Digitalisierung
wirklich passiert. Da zieht sich eine private Firma
mittels digitaler Versprechungen 40,1 Mio. Euro
aus den Steuergeldern des Hamburger Haushalts
als “Wachstumsrücklage” in ihr Firmenvermögen
rein – diese Firma nennt sich
KONZERNDIENSTLEISTER KASSE HAMBURG
(K.HH) und deren Operatoren bauten
behördenspezifische Eigenschaften wie
‘Zwangsvollstreckung ohne Gerichtsurteil’ in ihre
Programme ein. Davon profitieren nun auch
andere private Firmen, denn K.HH arbeitet nicht
nur für die F.HH, sondern jede Firma kann ohne
Gerichtsbeschluss ihre Konkurrenz einfach
pfänden lassen, der Grund braucht nur passend
genug dargestellt werden.
Das ist Digitalisierung, und die Euphorie ist verflogen.
Zurück zur Stelle, als die progressiven Elemente
aus der Eröffnungsrede von Thomas Piesbergen
ganz plötzlich abbrechen und es klar wird: der
Titel der Eröffnungsrede konnte mir eine
Progressivität vortäuschen, die nie vorhanden war.
Ein Gaukler spricht, der für den Öffentlichen
Rundfunk wirbt. Er sagt dies fein und versteckt:
“In dem der Netznutzer seine Selbstwahrnehmung
den Gegebenheiten des Web 2.0 anpaßt, sein Selbst
nicht mehr nach dessen Integrität, sondern nach
quantisierter Außenwahrnehmung beurteilt, und
den eigenen Wert an dem Ausstellungswert seiner
Perspektive bemisst, leugnet und verdrängt er alle
nicht-ausstellungsfähigen, dunklen Aspekte seiner
Selbst. Er selbst wird vom Netz und seiner Logik
kolonisiert, während er gleichzeitig autoaggressiv
handelt.”
Will dieser Gaukler das Netz, bin ich
autoaggressiv, oder zeigt er, dass er nichts
verstanden hat? Um ihn noch in Schutz zu
nehmen, behaupte ich, er glaubt wohl selbst nicht
daran, was er sagt. Dunkle Aspekte sind nicht
Ausstellungsfähig, ist das eine Kritik an der
Auswahl der Ausstellungsobjekte, die hernach
besprochen werden sollen? Wer ein Textlabor
betreibt, muss vorsichtig sein, wenn eine
Eröffnungsrede angefragt wird. Dem Titelthema
näher käme ein literarisches Schweifen im Sinne
der Lettristen Gruppe. Der mit dem Auftrag
versehene Thomas J. Piesbergen, sich mit dem
ersten YouTube Video “me at the zoo” zu
beschäftigen, streift Allgemeines, kontaktiert ein
paar philosophische Floskeln, anstatt sich
ernsthaft auseinander zu setzen. Dieser Redner
reagiert oberflächlich auf die Kommentare,
vergleicht vielleicht noch das Video über die
Kommentare, heraus kommt gewuselter Senf.
Eigentlich müsste er wissenschaftliches Arbeiten
gelernt haben, wie es auch bei einer Promotion
gefordert wird. Er verallgemeinert, ist selbst nur
Nutzer und von seiner eigenen Geisteshaltung
kolonisiert. Stelle ich mir vor, er hätte sich mit
YouTube Kommentaren wirklich beschäftigt, wäre das eine
gute Gelegenheit, den ihm nachgeworfenen
Aluhut zu putzen. Das hätte seine Rede um vieles
verändert. Etwa so, in diesem Sinne:
"Seit es das Internet und insbesondere Youtube gibt
ist dem sogenannten Staats Organ klar geworden
das im Grunde jeder Mensch Propaganda kann und
es dafür keinen Göbels und Staatsfunk braucht und
für diese Erkenntnis soll ich auch noch 17,50€
Monatlich abdrücken?"
das sind Kommentare, die geändertes Denken
aufzeigen. Statt dessen hält er sein Auditorium
davon ab, überhaupt Kommentare zu lesen, ein
Legastheniker der sein Publikum ermuntert, es
ihm nach zu tun, damit meine ich den
ursprünglichen Begriff von Legasthenie, nicht die
neuzeitliche Verfälschung. Es finden sich in den
Kommentaren viele Beweise, was YouTube
verändert hat.
“Schon in diesem ersten Video
werden wir Zeuge, wie sich die Blickrichtung verschiebt”
YouTube hat andere Qualitäten als eine
Verschiebung der Blickrichtung. Wenigstens
darauf hätte Thomas J. Piesbergen die
Aufmerksamkeit richten können. YouTube hat
Menschen beteiligt, wie es der Öffentliche
Rundfunk nie wollte. Eine Geisteshaltung vom
Auftraggebenden zu Antragstellenden, Thomas J.
Piesbergen erzieht das Publikum zu einer flachen,
ergebenen Denkhaltung. Das Gesagte gibt ihnen
das Selbstwertgefühl, etwas mehr nun zu wissen.
Genauso indoktriniert der Öffentliche Rundfunk in
seiner Grundhaltung, und hier hätte der Redner
Unterschiede einer Blickrichtung bezeugen
können. Aber er ist selbst ein Selfie. Das versteht
sich, der selfie zoo ein Teil der BBK Ausstellung.
Also dies ist kein Angriff. Dies sind Vorschläge,
wie eine Eröffnungsrede gehalten werden könnte.
©W.O.T. zipOz 2019
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