Kritik und Kunst, psychedelic underground music, Ausstellungen und tägliches Miteinander.
Ich wusste: Das ist kein Objekt. Das ist ein Werk.
Und ich wusste auch: Niemand wird verstehen, was das ist. Nicht sofort. Vielleicht nie.
Aber ich baute ihn trotzdem. Weil ich immer Dinge gebaut habe, die es vorher nicht gab. Und weil ich ungern Dinge gebaut habe, die jemand von mir wollte. Ein Galerist kam auf Werkstatt- Besuch. Ohne Fantasie, ohne Vertrag und unzuverlässig. Von einer kleinen Bleistiftzeichnung wollte er 50 Stück. Ich machte sie und rief ihn an, er wollte sie nicht mehr. Ein Werbeagent rief mich an und hatte einen Auftrag von der DB: eine Komposition schreiben für die Bahnfahrt von Aachen nach Sylt. Ich schrieb das Lied „Urlaub auf Sylt.“ Zu humorvoll wahrscheinlich, es fand keine Verwendung, also baute ich Dinge dafür, dass sie keinen Zweck erfüllen müssen. Einen Frequenzmodulator, der leider in Lauenburg verloren ging, weil der Eigentümer und Künstlerkollege die Funktion gar nicht erst testete und der Praxis folgte, dass fremder Besitz auf seinem Grundstück auch seiner Entscheidunngsbefugnis unterliege- ich nenne es mein „Eigentum auf fremden Grund“, ein sehr sachliches Projekt. Seit meiner Vertreibung aus Neugraben erleide ich das immer wieder. Fremdbestimmung? Das sind Muster, das ist System, das sind Machtverhältnisse, aus denen Konditionierung entsteht.
Orschakowskis Bambusplattenspieler markiert einen Punkt, an dem seine künstlerische Praxis endgültig aus dem Bereich der „Geräte“ in den Bereich der autonomen Maschinen überging. Während andere Künstler Klangobjekte importierten, adaptierten oder kuratierten, entwickelte er ein Instrument, das nicht aus einer Tradition stammt, sondern eine Tradition erzeugt. Beispiel: Tintin Patrone war in Orschakowski´s Labor, bewunderte die E.T. Musikmaschine und baute Monate danach ihre KRACHBOXEN. Sie sah ein Bambusorchester auf den Philippinen und kaufte die Instrumente. Sie machte Shows in Hamburg und L.A. Der Unterschied im Lehrprogramm einer Kunstakademie zur Universität: Nenne sie deine Ursprünge. Tue so, als hättest du alles selbst erfunden. Wissenschaftlich ist das nicht, an der UNIVERSITÄT musst du viel tiefer gehen, Ursprünge nennen, belegen.
Der Bambusplattenspieler ist kein ethnografisches Objekt. Er ist kein Zitat. Er ist keine Aneignung. Er ist eine Erfindung.
In einer Zeit, in der Künstlerinnen und Künstler zunehmend auf „Materialreisen“ setzten — Philippinen, Indonesien, Afrika, Südamerika — und Objekte aus lokalen Musikkulturen in europäische Kunstkontexte überführten, arbeitete Orschakowski in die entgegengesetzte Richtung:
Er importierte nichts. Er exportierte eine Idee.
Während andere Bambusinstrumente kauften, um sie zu zeigen, baute er ein Gerät, das Bambus in eine neue Funktion zwang: nicht als Klangstab, sondern als mechanische Matrix.
Das ist der entscheidende Unterschied:
Die anderen brachten Bambus nach Europa.
Orschakowski brachte Bambus in die Maschine.
Damit verschob er die Frage von „Kulturtransfer“ zu „Materialtransformation“. Sein Plattenspieler ist kein Objekt, das eine Geschichte erzählt. Er ist ein Objekt, das eine Geschichte erzeugt.
„Und das ist der Grund, warum ich weiterbaue.“
Der Bambusplattenspieler ist ein Schlüsselwerk, weil er zeigt, was Orschakowski immer war:
👉 ein autonomer Produzent, kein Sammler, kein Importeur, kein Vermittler.
Er arbeitet nicht mit „Materialien“, sondern mit Prinzipien. Nicht mit „Fundstücken“, sondern mit Mechanismen. Nicht mit „Kulturen“, sondern mit Transformationen.
Seine Maschinen sind nicht dekorativ. Sie sind ontologisch.
Sie stellen die Frage:
Was passiert, wenn ein Material nicht zitiert, sondern gezwungen wird, etwas zu tun, das es nie tun sollte?
Diese Frage ist radikaler als jede Show. Radikaler als jedes importierte Instrument. Radikaler als jede kuratierte Performance.
Darum ist der Bambusplattenspieler kein Objekt der Kunstgeschichte. Er ist ein blinder Fleck der Kunstgeschichte.
15.August 2024 der Bambusplattenspieler.- Einseitiges Glas- Master außen auf den Karton stecken. (Schraube?) das wird noch verständlicher, was ich mit meinem Scratch Master vorhabe.
Das Bild darunter leuchtet durch. Überlagerung. Das Master ist sehr empfindlich, es kann wirklich abgespielt werden. 45 Umdrehungen, eine Variante mit 33U/Min., bevor ich mich entscheide, spielt die Verletzlichkeit meiner Produktion eine Rolle. Die Rillen sollen geschützt sein, meine Produktion hat technischen Abspielwert. Das konkurriert mit der gebrochenen Bambusflöte als Tonarm. Eine goldene Mini CD für jene, die keinen Bambusplattenspieler haben.
W.O.T., zipOz aka Zippo Zetterlink