Kritik und Kunst, psychedelic underground music, Ausstellungen und tägliches Miteinander.
Wie in jeder Kunst- oder Musikrichtung möchte von der Kritik auch im Psy eine Entwicklung gesehen werden. Meist sind es aber die Klänge und nicht die Inhalte, die Beachtung finden. Wenn etwas den Sound veränderte, dann sind das nur technische Beigaben: Computer, Vocoder, Synthies. Im Psy wird klanglich nichts abgelehnt, anders als im Punk oder Rockabilly gibt es im Psy keine 'unangemessenen Instrumente'. Punk oder Rockabilly sich elektronisch gemacht vorstellen, ist viel schwerer. Auch wird das von Fans meist als unecht abgelehnt. Doch was ist wirklich echt? Es gab eine Diskussion von Fans, die nur frühe Beatles Aufnahmen als echt akzeptierten, Stones dagegen als durchgehend echt. Woran lag das? Hat das mit einer gewissen Authentizität zu tun? Es gibt einen merkwürdigen Film, der 1984 auf die Leinwand kam, wo eine Rockabilly Band gegen eine Synthie Gruppe antritt, unentschiedene Fans lassen sich hin- und herziehen. Rock Aliens mit Pia Zadora ist schon ein recht merkwürdiger Film, macht Appetit auf Pizza und hat einen verseuchten See, der so sauer ist, dass das Surfbrett da hineingeworfen sich in Schaum auflöst. Das spekulativ Künstliche der Musik und Durchführung könnte als Beispiel auf YouTube angesehen werden. Vorsichtig eine kommende Disco – Welle einleitend, hat ein gegen das 1984 gesättigte Interesse am Rockabilly ausspielende, den Punk völlig ignorierende Script den Kettensäger integriert, ohne Massaker. Nicht alle komischen Blicke in die Zukunft sind psychedelic, vieles möchte im Nachhinein so sein. Als ob die Negation einer Erklärung helfen würde: Psychedelic ist kein Blues, Psychedelic ist kein Jazz. Psychedelic ist nicht Esoterisch, aber es ist ein bestimmtes Bewusstsein, das anders ist als es im Popularismus dargestellt wird.
Psychedelic ist etwas anderes, als im TV und in den Medien aufbereitet und uns weisgemacht wird.

Die mit der Unterhaltungsindustrie zwangsweise verflochtenen Medien veranstalten ein Konsumtheater, das von psy ablenkt oder es lenken und von Inhalten befreien will: Wollten die psy Energeten das gesamte Denken der Menschen ändern und damit die Systeme, schauen die Epigonen sich nur die Anzeichen und Ähnlichkeiten heraus, entleerten die Inhalte für eine Aufbereitung dessen, was sie sahen, ohne die Bedingung zu stellen, vorgefundene Ansichten zu dekonstruieren.
Berkley, USA, Hamburg, Deutschland: Eine neue Kultur, eine neue Musik. Nicht Kommerziell angelegt, mit hohem Reiz: Weil die Ausstrahlung nicht nur sagt, hier werden seltsame Dinge geschehen und ein großes Musiktheater gemacht mit neuen Ideen, wie 'Sonnenaufgangskonzerte' (zipzett, erste Verwendung des Stadtparkareals, Ablehnung vom Amt: Die zertreten die Blumen! Annahme bei späterer Kommerzialisierung, es entstehen die 'Stadtparkkonzerte' und sie werden schnell von den Vertragsgruppen der großen Plattengesellschaften genutzt bzw okkupiert)
Die Werbeagenturen - wie immer ein bisschen spät - entdecken das Potential und beginnen es zu verkaufen. An wen? An die Vertragsgruppen der Plattengesellschaften. Diese Gruppen sind 'in' wegen des Geschäfts, sie wollen psychedelisch sein. (Frank Zappa schrieb es auf eines seiner Plattencover: we are only in for the money!) Bunte Hemden, lustige Texte. (Frank Zappa: Ich bin der Staub unter den Rollen deines Sofas.) Es gibt synthetisch von der Industrie geförderte Gruppen wie die Monkeys. Doch die Aussage flacht zur Oberfläche ab: Was 'one nation underground' bedeuten könnte, was Robert Anton Wilson verkündet, erregt Ärger. John Lennon flippt aus, macht nicht mit, macht 'bed peace', schenkt der New Yorker Polizei schussichere Westen und wird verfolgt. (Erschossen von einem, der 'catcher in the rye' , den 'Fänger im Roggen' in der Tasche trägt? Diesen dusseligen Studentenroman?) Was die Werbeagenturen der Plattengesellschaften propagieren, ist psychedelischer Nonsense. Da ist der kontinuierliche Faden zu heute: Es wird immer noch wiederholt, nachgebetet, in den Medien produziert, ohne Inhalt, nur personality, nur ein auf sich selbst besinnendes Individualisieren ist daraus gemacht. Insofern gibt es auch keine Spaltung in mehrere Richtungen. So ließen psychedelic Bands in den Anfängen von Schlagzeug- Gruppen trancemässige Beats spielen. Noch bevor es Drumcomputer gab, war der Wunsch da - nach Sample- Schleifen. Tonbänder ließen sich in Endlos- Schleifen kleben, Metronome elektrisch verstärken.
Zerkratzte Schallplatten ermöglichten neue Beats, doch die Schallplattenfirmen warteten ab. Als die Vertragsgruppen merkten, ein kleiner Markt würde entstehen, sprangen sie auf, liessen ihre Haare wachsen und teilten sich den Markt in Labels wie 'progressive rock' und 'esoterische Reisen', alles andere versprach keine Verkaufserfolge. Die nicht vertragsgebundenen Gruppen mussten zusehen, wie sie überleben konnten. Musiker wechselten die Bands, in Bars, Kneipen und auf Stadtfesten musste Blues geschrammelt werden, Boogie Woogie, Tango: Alles, nur kein psychedelic.
Die Wirte wollten Stücke mit Pausen, um ihren Getränkeumsatz zu regeln. Psy Musik blieb Außenseiter für Performances und Happenings. Als endlich die Techniker reagierten und automatische Synthies in den Verkauf brachten, fühlten sich die Showgruppen verpflichtet, nun für ihre Konsumenten die Glatze zu geben. Mit rasiertem Kopf hampelten sie Endlos- Schleifen ab, die Werbung verkaufte das als Techno, Trance, Hip Hop, wenn nur alle Inhalte und Aussagen ausgespart werden konnten. Das als eine Entwicklung psychedelischer Richtungen in Funk und Fernsehen anzubieten, es in Perioden aufzuteilen, ist nichts weiter als eine Verkaufshilfe zu schaffen für Vertragsgruppen, die vor Jahren mit irgendetwas auf den Markt kamen.
Das der Untergrund die Ideen und die Inspiration liefert, danach nimmt sich niemand Zeit zu suchen. Das Licht in den Köpfen wird immer allzu schnell gelöscht, wenn es um die finanziellen Profite geht. Ein Ausgleich muss her in den großen Sendern, die sich hinter Sende- Formaten verstecken. Aber um das Konsumtheater anzuheizen, um, wie sie werben, 'bestimmte Hörergruppen anzusprechen', wählen sie lieber Formatsendungen. Das verdrängt und lässt keinen experimentellen Raum zu. Das Experiment wurde von der Wissenschaftssendung beschlagnahmt. Zurückgeworfen in die Welt der Symbole ist psy reduziert auf ein paar Beats, Farben, Zeichen. Erkennbar gemacht als Faktor psy. So wie die Jurys, so auch die Zuhörer: Sie wollen alle nur wissen, woran sie sind, das genügt ihnen. Jede neue Kunst lässt Spuren, und definiert wird sie an den Spuren. Diese aufbereiteten Überbleibsel brauchen nur noch ausgegeben und verteilt werden, die Konsumenten bekommen ihre Anhaltspunkte. Bevor es das Internet gab, welches im Anfang, im Beginn eine sehr freie Wahl des unbekannten Genres zuließ, schütteten Radio und TV die Menschen zu mit ihren Wiederholungen, die zu Gewöhnungs- Formaten mutierten: Klassik- Hörer wurden genau so erzogen wie Schlager oder Blues Hörer. Sie bekamen es in ihre Kultur- Wiege gelegt, die Aktiven unter ihnen lernten den Stil, die Texte, die Gewohnheit. Mit der Gewöhnung kamen die Formate des Erlaubten versus des 'nicht Sendefähigen Materials', bis auch das als Werbewirksam galt und ein ganz paar Indie Bands von den Major Labels verwöhnt wurden. Auf den Stadtfesten war die Gewöhnung regional: Blues, Reggae, Salsa und Swing. Der Hafengeburtstag als Superfest erhielt als Bonus Ska und Punk, psy blieb den Kunstausstellungen vorbehalten. Oder den Extra Events in Trance Kirchen und Lustgrotten. So ist der Versuch, in psy eine Entwicklung sehen zu wollen, Oberfläche - die Dinge, die psy mit dem System anstellen wollte, die Änderungen des gesamten Denkens, sind so heraus retuschiert.
Wo.O.